Die Eisinsel – Audioinstallation

Und was hat nun „Die Eisinsel“ in einer Kunstausstellung in Lübeck zu suchen? Der Kerngedanke spukt schon lange in meinem Kopf herum. Seit ich für einen Privatsender ein Projekt über die Brüder Grimm entwickelt habe, das leider nie das Licht der Mattscheibe erblickte, wollte ich meinen eigenen Märchenstoff schreiben. Als ich Anfang 2010 die Gelegenheit hatte, in Svendborg auf Fünen, der Heimatinsel Andersens, ein Stipendium im Brechthaus zu verleben, war die Idee wieder da. „Die Eisinsel“ sollte ein Roman der urban fantasy werden, mit Figuren und Motiven aus bekannten Märchen. Die Schneekönigin als Königin des organisierten Verbrechens. Rumpelstilzchen als ihr Adjudant. Beide in Begriff, die Realität vom Märchenland aus zu übernehmen. Und ihre Widersacher: Zwillinge reinen Herzens, die nichts voneinander und ihren Kräften wissen. – Beenden konnte ich das Buch in der kurzen Zeit in Dänemark aber leider nicht. Auch mit dem anschließenden Stipendium des Landes Schleswig-Holstein nicht, zu umfangreich war das Vorhaben. Immerhin brachte ich es ziemlich weit. Und als ich dann gefragt wurde, ob ich mich an der Stipendiaten-Ausstellung in der Overbeck-Gesellschaft beteiligen wolle, wusste ich gleich: Es muss ein permanentes Ausstellungsstück sein, keine einmalige Lesung, die verpufft. Wie bei der interaktiven Audioinstallation „Niemünster“ aus dem letzten Jahr, wollte ich auch hier ganz bestimmte Teile der Geschichte an ganz bestimmten Orten in der Ausstellung erzählen. So sprechen also drei Hauptfiguren miteinander und berichten sich Teile der gesamten Geschichte. Übrigens toll eingesprochen von Uta Dänekamp, Tammo Kaulbarsch und Bodo Primus! Der Zuhörer hat die Möglichkeit, die Geschichten im Kopf weiterzuspinnen und mit seinen eigenen Märchenbildern und den Bildern, die er vor Ort sieht, zu vervollständigen. So entsteht in jedem Besucher eine eigene Eisinsel. Viel Freude damit.

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